Japanische Forscher konnten bis zu 290-fach erhöhte Wachstumshormonspiegel direkt nach einem Kaatsu-Training feststellen. Damit eignet sich die Methode möglicherweise als natürlicher Hormon-Booster, aber Kaatsu bietet noch andere Vorteile.

Was ist ein Wachstumshormon?

Einfach ausgedrückt, ist ein Hormon eine regulatorische Substanz, die vom Körper produziert und über die Blutbahn verteilt wird, um Physiologie und Verhalten zu steuern. Hormone regulieren beispielsweise Verdauung, Stoffwechsel, Atmung, Gewebefunktion, Schlaf, Stress, Wachstum, Regeneration, Entwicklung und Stimmung. Hormone können in Form eines Proteins oder einer chemischen Steroidverbindung (Testosteron und Östrogen sind diese Art von Hormon) vorliegen.

Das Wachstumshormon (growth hormone – GH), auch bekannt als Somatotropin, ist ein anaboles Hormon, das von der Hypophyse produziert und ausgeschüttet wird. GH ist ein großes Polypeptid, das Wachstumsprozesse direkt oder indirekt fördert, wie beispielsweise von Knochen- und Muskelgewebe durch die Regulation von Protein-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel. GH ist auch ein starker Regulator der Immunfunktion und anderen physiologischen Prozessen.

In der Kindheit und Jugend sorgt GH für das Wachstum der Körpergröße, im Erwachsenenalter ist es für eine Reihe von Regenrationsprozessen im Körper verantwortlich.

Wachstumshormon für die Gesundheit

Im Muskel stimuliert GH die Proteinsynthese sowie den Fettstoffwechsel. GH mobilisiert Fettsäuren aus den Speichern als Energiequelle. Auf diese Weise spart GH den Abbau von Kohlenhydraten, was sich günstig auf den Blutzuckerspiegel auswirkt und als Unterstützung von präventiven oder therapeutischen Maßnahmen gegen Insulinresistenz helfen kann

Die positiven gesundheitlichen Wirkungen von GH lassen sich so zusammenfassen:

  • Verringert die Blutzuckerausnutzung
  • Verringert die Glykogensynthese
  • Erhöht den Aminosäuretransport in die Zellen und die Proteinsynthese
  • Erhöht den Fettabbau und die Fettverwertung
  • Erhöht die Kollagensynthese und Bindegewebe-Aufbau
  • Erhöht die Retention von Stickstoff, Natrium, Kalium und Phosphor
  • Erhöht den Nierentätigkeit
  • Verbessert die Immunfunktion

Der Referenzbereich für gesunde GH-Werte liegt bei 0,06 – 8,0 ng/ml.

Auch Schlaf ist mit der Freisetzung von Hormonen wie GH verbunden. Das ist vielleicht der Grund, warum Schlaf hilft uns zu erholen. Die schlafbezogene GH-Ausschüttung wurde auch mit dem nächtlichen Anstieg der Fettsäurenfreisetzung in Verbindung gebracht.

Im Alter gibt es eine Abnahme der Schlafdauer und GH-Produktion. Schlafmangel bei jungen Menschen reduziert ebenfalls die GH-Ausschüttung und kann zur vorzeitigen Entwicklung einer Stoffwechselerkrankung beitragen.

Training und Wachstumshormon

Die GH-Ausschüttung steht mit einem Anstieg der Laktat– und Adrenalinkonzentration in Verbindung. Auch Katecholamine können die GH-Sekretion stimulieren. Die praktische Konsequenz ist, dass die Höhe der GH-Ausschüttung während und nach dem Training proportional zur Intensität steht. Je anstrengender die Übung, desto mehr GH wird freigesetzt. Man denke an Sprints anstelle von langen, langsamen Läufen. Kurze Intervallpausen können zusätzlich helfen, die Freisetzung von GH noch weiter zu stimulieren.

GH steigt langsam während eines intensiven Trainings an, aber es erreicht erst seinen Höhepunkt, wenn das Training beendet ist. Die akuten Hormonspritzen zeigen sich im Mittel etwa 20 Minuten nach einem Training. Die Beeinflussung von Stoffwechselprozessen kann bis zu 3 Stunden andauern.

KAATSU trickst das Gehirn aus

Korrekt dosiertes Kaatsu-Training wirkt wie ein Katalysator, der zur Ausschüttung einer signifikanten Menge an GH führt. Die Besonderheit dabei ist, dass obwohl nur sehr leichte Übungen ausgeführt werden, das biochemische Gleichgewicht im Körper genauso stark gestört wird, wie bei einem schweren und intensiven Training.

Einen Unterschied gibt es dabei jedoch: Bei schwerem und intensivem Training entstehen durch die hohen mechanischen Belastungen Gewebeschäden, die durch die hormonell eingeleiteten Regenerationsvorgänge erst wieder repariert werden müssen. Bei einem Kaatsu-Training dagegen sind die externen Belastungen nur sehr leicht, wodurch keine Gewebeschäden entstehen.

Dem Gehirn wird praktisch vorgemacht, der Körper durchlaufe ein massives Training und im Gegenzug pumpt die Hypophyse große Mengen an GH in den Körper. Da aber kaum Gewebeschäden zu reparieren sind, können die positiven Effekte bei Kaatsu in deutlich kürzerer Zeit ablaufen als unter konventionellen Bedingungen.

KAATSU-Wirkungen auf einen Blick

  • KAATSU-Training ermöglicht es sehr leichte Gewichte bei hoher Wiederholungszahl zu verwenden, was ein intensives Training mit minimalen Risiken ermöglicht.
  • KAATSU-Training kann das Muskelwachstum und die Kraft in etwa der Hälfte der Zeit stimulieren, wobei etwa nur ein Drittel der Lasten eines normalen Krafttrainings benötigt wird.
  • Durch die Verlangsamung des venösen Blutflusses verzögert sich der Abtransport von Stoffwechselprodukten, was zu einer Beschleunigung der Muskelermüdung zum Muskelversagen führt.
  • Die Anhäufung bestimmter  Stoffwechselprodukte ist ein Auslöser für Reparatur- und Regenerationsprozesse, die zu einem schnellen Muskelwachstum und einer schnelleren Gewebeheilung führen.
Bildnachweis: Häggström, Mikael (2014). „Medical gallery of Mikael Häggström 2014„. WikiJournal of Medicine 1 (2). DOI:10.15347/wjm/2014.008. ISSN 2002-4436. Public Domain.