Wie hoch ist die Thrombosegefahr  bei KAATSU wirklich?

Viele Fachleute die zum ersten Mal von KAATSU hören stellen häufig die Frage nach der Thrombosegefahr bei der KAATSU-Anwendung. Dabei liegt meistens der Irrglaube zugrunde, bei KAATSU handele sich um ein Okklusionstraining bei dem die Extremitäten abgebunden werden.

„Echtes KAATSU unterscheidet sich von Okklusionstraining“

Die Verwechslungsgefahr ist auf den ersten Blick durchaus verständlich. Bei näherem Hinsehen ist das biologisch-technologische Zusammenwirken der KAATSU-Luftbänder auf den Blutfluss jedoch anders als bei Okklusionsmanschetten oder Okklusions-Bändern . Mehr dazu in diesem Artikel.

Blutstillung und Blutgerinnung

Die Abdichtung von verletzten Blutgefäßen ist eine lebenswichtige Fähigkeit und wird als Hämostase bezeichnet. Der Prozess der Blutstillung ist durch die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) gekennzeichnet und ist auch eine Voraussetzung für die spätere Wundheilung.

Die selbe lebensrettende Funktion kann in anderen Fällen tödlich wirken. Wenn die Blutgerinnung innerhalb eines Gefäßes zu einer Verengung oder zum Verschluss führt kann es, je nachdem wo sich der Thrombus befindet, zu einer Lungenembolie, einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt kommen.

KAATSU als Clot Buster?

Wie steht es aber nun tatsächlich um die Thrombosegefahr bei KAATSU? Ein bekanntes Beispiel ist eine sogenannte Flug- oder Reisethrombose, deren Name auf die erhöhte Thrombosegefahr durch langes Sitzen während Flügen herrührt.

In einer aufwändigen japanischen Studie (Nakajima und Kollegen, 2007) konnte bei einer Kabinendruck-Flugsimulation von 2.400 Meter Flughöhe ein akuter Anstieg der Blutserumkonzentration von tPA unmittelbar nach KAATSU-Übungen festgestellt werden. Das selbe Programm ohne KAATSU führte zu keiner Veränderung der tPA-Werte. Ähnliche Ergebnisse bei dem Verhalten der tPA-Werte ergab eine andere KAATSU-Intervention, die bei Bettruhe mit negativer kopfseitiger Körperlagerung von 6 Grad für 24 Stunden positive KAATSU-Einflüsse auf die tPA-Werte feststellen konnte.

Tissue Plasminogen Activator, kurz tPA, ist ein Enzym, das von den Endothelzellen der Gefäßwand  gebildet wird und die Blutgerinnung hemmt. Gentechnisch hergestelltes tPA (recombinant tissue-type plasminogen activator, rt-PA) wird therapeutisch bei Herzionfarkten, Schlaganfällen und Lungenembolien zur Auflösung von Thromben (Thrombolyse) genutzt.

In einer anderen Untersuchung (Shimizu und Kollegen, 2016) wurden in einer 4-Wöchigen KAATSU- Trainingsintervention bei Älteren unterschiedliche hormonelle und gefäßaktive Parameter erhoben. Dabei zeigte sich unter anderem eine positive Entwicklung der Thrombomodulinwerte. Thrombomodulin ist ein Eiweißstoff der eine Schlüsselrolle bei der Hemmung der Blutgerinnung (Antikoagulation) spielt.

Fazit

Unter Berücksichtigung der physiologischen Grundlagen hinter KAATSU und der aktuellen Studienlage kann hinsichtlich der Thrombosegefahr Entwarnung gegeben werden. Tatsächlich scheint sogar das Gegenteil der Fall zu sein, denn tendenziell scheint die KAATSU-Methode sogar antikoagulatorische Wirkung zu haben und könnte möglicherweise als nicht-medikamentöser Clot Buster fungieren.

Titelfoto: Medical gallery of Blausen Medical 2014 WikiJournal of Medicine 1 (2). DOI:10.15347/wjm/2014.010. ISSN 2002-4436. [CC BY 3.0], from Wikimedia Commons